Das Pfarramt in der Moderne: Mühe und Freude

Einige Thesen für das Gespräch mit den Karlsruher Kollegen.
10. November 2011 – Groningen

Das Pfarramt in der Moderne: Mühe und Freude.

1. Die kirchlige Lage hat sich in die Niederlande tiefgreifend geändert. War vor fünfzig Jahren die Niederlande einer der kirchlich höchst organisierte Länder Europas, heutzutage gehört unserem Land zu denen mit dem niedrigsten Zahl von Kirchenmitgliedern und Gottesdienstbesuchern. Die Niederlande hat sich an der Spitze Westeuropaïsche Sekularisation gestellt. Die Kirche ist damit am Rande der Gesellschaft gedrängt. Kirchenmitglieder gehören zu eine Minderheit. Das berufliche Profil den Pfarrern und Pfarrerinnen wird dadurch beeinflusst.

2. In die Niederlande wird Religion im Ganzen mehr und mehr im privaten Bereich gedrängt. In der heutigen Politik gibt es die Tendenz das Unterschied zwischen Staat und Kirche weiterzuführen in die Richtung von eine Trennung von Politik und Glaube. Das Menschen sich durch religiöse oder lebensanschauliche Motiven gesellschaftlich und politisch engagieren, findet immer weniger Anerkennung.
Das bedeutet das die gesellschaftliche Wirkung der Kirche, und damit die öffentliche Rolle den Pfarrern unter Druck steht.

3. Das Pfarramt hat sich geändert durch kulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen. Im Kurzformel: vorher hat das Amt der Pfarrer getragen; das Amt bot eine pfarrerliche Identität; heute muss der Pfarrer seine oder ihre Amt selbst tragen.
Diese Verlagerung bedeutet das die Persönlichkeit der Pfarrer wichtiger geworden ist. Kann er/ kann sie überzeugend die christliche Tradition ermitteln?; ist er / ist sie glaubwürdig? Das Amt allein ist das nicht mehr. Die Person und die Persönlichkeit der Pfarrer steht im Mittelpunkt, in eine Erlebnisgesellschaft. Im Hintergrund steht der Individualisation unsere moderne Gesellschaft. Institutionen wie der Kirche haben ihre Glaubwürdigkeit verloren; es kommt in steigendem Masse auf die Authentizität im persönlichen Bereich an.

4. Diese Veränderungen gehören meiner Meinung nach nicht nur zu der Mühe-Seite. Es sind nur die äusserliche Faktoren die das Gesamtfeld unsere Moderne bilden. Es ist die gesellschaftliche und kulturelle Hintergrund unsere Pfarrerliche und kirchliche Praxis, womit wir zu rechnen haben. Kirche und Amt bewegen sich nicht in eine Frei-zone, doch mitten im gesellschaftlichen und politischen Kraftfeld.

5. Die Freuden unseres Beruf sind dieselben wie vor immer:
Es macht Freude mit Menschen unterwegs zu sein; ihnen zu begleiten, beraten im religiösen Bereich.
Es macht Freude täglich oder wöchentlich mit der Schrift im Gespräch zu sein; mit der reichen christlichen Tradition, mit denen die uns sind voran gegangen auf dem Wege von Glaube und Hoffnung.
Es macht Freude zu feiern, das Leben zu feiern, im Gottesdienst am Sonntag, bei Anfang oder Ende eines Menschenlebens. Die kasuelle Funktion der Kirche bleibt wichtig, und ist das auch für die Identität der Pfarrern.
Es macht Freude um Zeit zu haben, beruflich, sich in einer geistlichen Welt zu vertiefen, eine spirituelle Identität zu entwickeln, zu lesen, zu diskutieren, sein eigene Glaube zu bilden in und durch die Pfarrämtlichen Aufgaben.
Diese generelle Freude am Pfarramt, bekommt im heutigen Perspektive meiner Meinung nach die folgender Zuspitzung:

6. Trotz der Kirchenaustritt, gibt es unter Menschen eine bleibende Interesse für religiöse Fragen. Das wird durch verschiedene Umfragen immer wieder bestätigt. Die grosse Fragen des Lebens werden in jeder Epoche neu gestellt. Es sind die mensliche Fragen die nie definitiv beantwortet werden.
Moderne Menschen suchen nach Antworten, nach neue Lebensweisheit, nicht mehr in die Kirche, nicht nur in die christliche Tradition. Dennoch hat diese (unsere?) Tradition vieles zu bieten. Es ist eine Herausforderung für moderne Pfarrern um das zu ermitteln, um neue Generationen in die Reichtum christlicher Tradition als Lebensweisheit ein zu weihen, ein zu laden.
Heute erwächst eine Generation die nicht gehindert wird durch Aggression gegen eine als unterdrückend erfahrene Kirche oder Glaube; eine Generation die leider auch nicht gehindert wird durch viel Kenntnis von Bibel und Tradition, aber diese Tatsache bietet vielleicht auch neue Chancen.

7.  Die grosse Institutionen sind im Verfall. Das tangiert auch die Kirche und damit das Pfarramt. Die Position am Rande, als Aussenseiter, in margine, gibt auch neue Möglichkeiten.
Der Pfarrer ist ein Freigesetzter. Er / sie kann neue Allianzen machen, beispielsweise im kulturellen Bereich, er kann sich engagieren mit Bürgerinitiativen, eine Verbindung machen zwischen verschiedene Gruppen und Kulturen in der Gesellschaft.
Pfarrer sind Brückenbauer. Der Ausgang aus die Institutionen kann diese verbindende Funktion fördern.

8. Die grosse Freude der Pfarrer ist seine Freiheit. Diese Freiheit gehört jeder Christen zu. Es ist die lutherische Dialektik: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ 
In diese evangelische Freiheit lebt, bewegt und arbeitet auch der Pfarrer. Und das macht Freude.

2 Responses to Das Pfarramt in der Moderne: Mühe und Freude

  1. Gerben Althuis says:

    Nou Bert, een goed leesbaar en inspirerend verhaal. Wanneer volgt de vertaling en een bespreking daarvan binnen de Raad van Kerken Groningen/Drente ?
    Dat zijn leuke dingen voor de mensen ! Ook al ben ik geen dominee, ik zal er zeker zijn (als journalist ?!)

  2. Rinie Altena says:

    Mooi blog trouwens…

    Stelling 3 over de persoon van de predikant spreekt mij erg aan. Hoe meer hij/zij er als mens is in zijn of haar werk hoe meer mij dat aanspreekt. Hoe groter de afstand tussen wat zij zelf zijn en wat zij als predikant zeggen en doen hoe ‘leger’ hun presentie. Als drie goed lukt komen 6,7 en 8 helemaal goed. (ook ik ben geen dominee)

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